Rückblick: Fachtagung Lehrerbildung Baden-Württemberg 2019

180 TEILNEHMENDE TAUSCHEN SICH ZUM THEMA „DIGITALISIERUNG IN DER ERSTEN PHASE DER LEHRERBILDUNG“ AUS

Auf Einladung der Heidelberg School of Education kamen am 7. November 2019 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg Vertreter/innen der lehrerbildenden Hochschulen Baden-Württembergs und Repräsentant/innen weiterer Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen, um sich zum Thema „Digitalisierung in der ersten Phase der Lehrerbildung“ auszutauschen und zu vernetzen. Die Fachtagung verband die theoretische Diskussion grundlegender Fragen zur Digitalisierung mit Good-Practice-Beispielen aus einzelnen Fächern und Projekten.


DIE FACHTAGUNG LEHRERBILDUNG BADEN-WÜRTTEMBERG IN BILDERN


PROGRAMMHIGHLIGHTS

Ein abwechslungsreiches Programm rund um den vielfältigen Themenkomplex „Digitalisierung in der ersten Phase der Lehrerbildung – Chancen, Herausforderungen, Risiken“ erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Fachtagung Lehrerbildung Baden-Württemberg, zu der die HSE nach Heidelberg geladen hatte.

Zu den Höhenpunkten des Programms zählten der Impulsvortrag von Ministerin Theresia Bauer MdL, der den inhaltlichen Auftakt der Veranstaltung markierte, sowie die Keynote von Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs zum Thema  „‚Alles beim Neuen’ – Lehrer*innenbildung unter der Perspektive von Digitalisierung“. Beide Rednerinnen traten anschließend in der von Dr. Tobias Endler moderierten Podiumsdiskussion in den Dialog und brachten ihre jeweilige Perspektive aus Wissenschaft und Politik in die Diskussion ein.

Einen Überblick über die zahlreichen Initiativen zur Digitalisierung in der Lehrerbildung gab der Markt der digitalen Möglichkeiten,  auf dem Hochschulen und Projektgruppen (nicht nur) aus Baden-Württemberg an 15 Ständen ihre vielseitigen Arbeiten präsentierten. Workshops mit Expert/innen zu bildungsdidaktischen und fachwissenschaftlichen Konzepten, zu Beispielen aus der Fächerpraxis MINT und den Geisteswissenschaften sowie zum Einsatz digitaler Medien in Lehr-/Lernsituationen boten am Nachmittag vertieften Einblick in ausgewählte Good-Practice-Beispiele sowie Raum für intensivere Diskussionen.

TEILNEHMENDE

Rund 180 Fachleute waren der Einladung nach Heidelberg gefolgt, darunter Vertreter/innen der lehrerbildenden Hochschulen in Baden-Württemberg, der Seminare für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte (SAF), des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) sowie verschiedener Digitalisierungsprojekte von Hochschulen auch über die Landesgrenzen hinaus. Viele weitere Interessierte und in der Lehrerbildung Aktive nutzten ebenfalls die Chance, sich auf der Fachtagung über aktuelle Entwicklungen zu informieren und auszutauschen.

TAGUNGSERÖFFNUNG UND GRUSSWORTE

Dem inhaltlichen Programm vorangestellt waren die Grußworte von Prof. Dr. Hans-Werner Huneke (Rektor der Pädagogischen Hochschule Heidelberg), Prof. Dr. Anja-Désirée Senz (Prorektorin für Studium und Lehre der Universität Heidelberg) sowie Prof. Dr. Petra Deger (Geschäftsführende Direktorin der HSE). Während Huneke daran appellierte, die Digitalisierung als Lebenwirklichkeit und gestaltbare Zukunft in der Lehrerbildung zu adressieren und Informatik als Studienschwerpunkt auch in der Primarstufe zu verankern, plädierte Senz dafür, sie nicht zum Selbstzweck zu betreiben: um das Lernen und Lehren individueller und attraktiver zu gestalten, sollten digitale Methoden Unterrichtsinhalte nicht ersetzen, sondern innovativ ergänzen. Als Geschäftsführende Direktorin der HSE zeigte sich schließlich Deger erfreut über die positive Resonanz und dankte den Akteuren aus Bildungspolitik und Wissenschaft für ihre Bereitschaft, die Fachtagung aktiv mitzugestalten.

IMPULSVORTRAG VON MINISTERIN THERESIA BAUER MDL

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Ministerin Theresia Bauer MdL

In ihrem Impulsvortrag zum inhaltlichen Veranstaltungsauftakt betonte Ministerin Theresia Bauer MdL die Bedeutung von Austauschformaten wie der Fachtagung, in denen sich eine gewinnbringende Kultur der Zusammenarbeit über Institutionen und Disziplinen, über Theorie und Praxis sowie über Regionen hinweg widerspiegle. Die darin sichtbar werdende Bereitschaft, miteinander und voneinander zu lernen, sei eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Lehrerbildung.

KEYNOTE VON PROF. DR. MANDY SCHIEFNER-ROHS, TU KAISERSLAUTERN

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Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs, TU Kaiserslautern

Was bedeutet Digitalisierung in Schule und Lehrerbildung generell und in der Professionalisierung angehender Lehrer/innen im Besonderen? Hierüber müsse zunächst eine Verständigung erfolgen, betonte Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (TU Kaiserlautern) in ihrer Keynote. Mit ihrem Titel „‚Alles beim Neuen‘ – Lehrer*innenbildung unter der Perspektive von Digitalisierung“ griff sie das Motto des Landesprogramms digital@bw auf, um zu zeigen, dass das Thema, obschon bereits seit den 1990er Jahren unter dem Begriff der Mediendidaktik präsent, spezifisch neue Aspekte mit sich bringe – mit eigenen Anforderungen an die Lehrerbildung, die entsprechend untersucht, verstanden und diskutiert werden müssten. Dabei hob sie die Notwendigkeit einer stärkeren Subjektorientierung hervor, die sich von der gängigen Metapher des „fit-Machens“ löse, um stärker die sozio-materiellen Praktiken in den Blick zu nehmen und unter der Perspektive von Digitalisierung neu zu gestalten.

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PODIUMSDISKUSSION

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Podiumsdiskussion; Moderation: Dr. Tobias Endler

In der von Dr. Tobias Endler (HSE) moderierten Podiumsdiskussion waren sich Ministerin Bauer und Prof. Dr. Schiefner-Rohs einig, dass der durch den rasanten technischen und gesellschaftlichen Wandel erzeugte Handlungsdruck eine schnelle Umsetzung in Schulen und Hochschulen unumgänglich mache. Dies stellten die Diskutantinnen u. a. mit Hinweis auf die jüngste International Computer and Information Literacy Study (ICILS) klar, auf die an diesem Tag mehrmals verwiesen wurde. Als Nucleus der überfälligen Transformation in den Hochschulen könne nach Schiefner-Rohs die im Zuge der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ neu aufgestellte Lehrerbildung wirken, für die die transdisziplinäre Perspektive konstitutiv sei. Ministerin Bauer schloss sich dieser Einschätzung an und wies auf das Potenzial der Schools of Education hin, Impulse zu setzen und neue Wege zu denken. Die Frage der Nachhaltigkeit und Verstetigung von Projekten und Förderprogrammen durch eine Überführung in dauerhafte Strukturen spiele dabei eine essenzielle Rolle, wie Schiefner-Rohs ergänzte.

MARKT DER DIGITALEN MÖGLICHKEITEN

Auf dem „Markt der digitalen Möglichkeiten“ konnten sich Tagungsteilnehmende über ein breites Themenspektrum informieren. 15 Poster- bzw. Videopräsentationen gewährten interessante Einblicke in fachlich, medienpädagogisch oder studienberatend innovative Projekte zur Digitalisierung in der ersten Phase der Lehrerbildung an den Hochschulstandorten Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Stuttgart und Tübingen sowie Aachen, Regensburg und Saarbrücken.
















WORKSHOPS

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Prof. Dr. Friedrich Gervé bei der Moderation des Workshops

BILDUNGSWISSENSCHAFTLICHE UND FACHDIDAKTISCHE KONZEPTE UND IHRE UMSETZUNG

Workshop I setzte sich mit allgemeinen Bildungsfragen in deren Verknüpfung mit fachdidaktischen Konzepten auseinander. Fachliche Impulse lieferten Beiträge zur Digitalisierung in der Lehrerbildung am Standort Tübingen (TüDiLab, TPack4.0, TüDiTeach), zum Konzept des Deeper Learning sowie zum Projekt InDiKo, das sich mit der Integration fachdidaktischer digitaler Lehr-/Lernkonzepte an der PH Karlsruhe befasst. Eine zentrale Frage der Diskussion war, wie sich Lerninhalte und -ziele an Hochschulen durch Digitalisierung verändern und im Zuge einer forcierten Digitalisierung der Verlust vieler analoger Formate und Techniken zugunsten einer Selektion ausschließlich „digitalisierbarer“ Inhalte vermieden werden könne.

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Lisa Dannwolf vom Projekt geo:spektiv

BEISPIELE AUS DER FÄCHERPRAXIS I (MINT)

Workshop II blickte aus der Perspektive der MINT-Fächerpraxis auf die Vermittlung digitaler Kompetenzen an Lehramtsstudierende: Präsentiert wurde unter anderem die E-Learning-Plattform geo:spektiv der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, die Schüler/innen via moderner Satellitentechnologie Fernerkundung im Fach Geographie anbietet. Von der Universität Kassel  wurde der Einsatz von Lehr-Lern-Laboren als Orten der Digitalisierung in der Lehramtsausbildung beschrieben. Die Pädagogische Hochschule Heidelberg gab im Rahmen des Workshops Einblick in die Lernumgebung „MicroBerry“, die Schüler/innen informatische Kompetenzen in einem fächerübergreifenden Kontext vermittelt.

Es zeigte sich, dass Beispiele für produktive Einsatzmöglichkeiten digitaler Tools zahlreiche Anreize und Anknüpfungsmöglichkeiten für andere Fächer bieten, was Eingang fand in eine Diskussion zu den Vorzügen einer inter- oder transdisziplinären Herangehensweise an das Thema Digitalisierung. Thematisiert wurden auch Angstgefühle und Ressentiments gegenüber neuen (digitalen) Medien, deren Überwindung eine zentrale Aufgabe für alle Phasen der Lehrerbildung darstelle.

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Prof. Dr. Carolin Müller-Spitzer vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

BEISPIELE AUS DER FÄCHERPRAXIS II (GEISTESWISSENSCHAFTEN)

Die Vermittlung digitaler Kompetenzen an Lehramtsstudierende in den Geisteswissenschaften stand im Fokus von Workshop III. Die vorgestellten Beispiele aus den Fachbereichen Latinistik, Germanistik sowie Geschichte bzw. Politik zeigten ein breites Spektrum möglicher Anwendungen digtaler Methoden und Tools im Rahmen der Lehrerbildung, das vom selbst programmierten Latein-Vokabeltrainer (Universität Konstanz) über lexikografische Wiki-Projekte wie das Denktionary (IDS / Universität Mannheim) bis hin zur digitalen Erschließung des Mittelalters via Augmented Reality (Universitäten Freiburg und Basel) reichte. Die Beiträge demonstrierten eindrücklich, dass die Auseinandersetzung mit digitalen Methoden in der ersten Phase der Lehrerbildung einen weitreichenden Beitrag zum Kompetenzerwerb leistet, der nicht primär in der Anwendungskompetenz, sondern vielmehr im Mehrwert des Digitalen für den Unterrichtzu bemessen ist.

Eine ausführliche Einordnung des Workshops nehmen die Moderatoren Stefan Karcher und Christopher Nunn in ihrem Blogbeitrag „Ein kurzer Aufriss: Digitale Methoden in der Lehrer*innen-(Aus)Bildung“ vor.

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Demonstration der multiplen Einsatzmöglichkeiten von Tablets im Unterricht

EINSATZ DIGITALER MEDIEN IN LEHR-/LERNSITUATIONEN

Workshop IV fokussierte Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in Lehr-/Lernsituationen und brachte hier unterschiedliche Perspektiven ins Spiel: Projekte zur Kompetenzvermittlung und Curriculumsentwicklung im Bereich der Lehrerbildung an Gymnasien und beruflichen Schulen (Projekt edu 4.0, Universität Konstanz) wurden ebenso präsentiert wie E-Learning-Angebote als Ergänzung zur traditionellen Präsenzlehre (MaMpf, Universität Heidelberg). Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Tablets im Unterricht demonstrierte die Pädagogische Hochschule Heidelberg u. a. anhand von Augmented-Reality-Lehrmaterialien.

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Eine Guided Tour zu MaMpf finden Sie auf ResearchGate.

TWEETS ZUR FACHTAGUNG

Um sämtliche Tweets darzustellen, genügt die einmalige Zustimmung durch Setzen des Häkchens.